Fertige Werke in der Reihe: Inspiration und Entstehung

Big Bang (2021)

Photograph of Big Bang by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Besuch im Senckenberg Naturmuseum und ein Goliathkäfer-Poster

Maße: 88x48cm

Big Bang war mein erstes größeres Projekt. Ich schriebe „größer“, weil ich zumeist aus kleinen Wohnungen statt Ateliers arbeite.

Viele der Materialien stammen aus der Zeit, in der ich in einem Berliner Spielzeugladen gearbeitet habe. Hier ist immer…

viel an Katalogen im Müll gelandet. Den Käfer hatte ich allerdings von einem kostenlosen Poster nach einem Besuch im Senkenbergmuseum in Frankfurt (Main). Ich mochte den Kontrast zwischen den bunten Welten die im Hintergrund entstehen und dem schwarz-weißen Goliathkäfer. Es repräsentiert den Gedanken von vor Entstehung (schwarz-weiß) und danach (bunt). Ein Foto wird der Collage wegen der Spiegelelemente leider nicht gerecht. Aber das ist der Fall für viele meiner Werke.

Die Augen sind eine Kombination aus Katzenaugen, verschiedenen Ringen und meinem eigenen Pinselstrich. Für manche Details lege ich selbst auch Hand an. Vor allem, wenn ich Wert auf Symmetrie lege, möchte ich mich nicht immer von meinem gewählten Medium einschränken lassen. Bei den Augen von Big Bang habe ich bewusst unterschiede gewählt, die den Blick einfangen.

Der dargestellte Moment ist spezifisch die Entstehung der Erde. Auch wenn in vielen Religionen die Erde im Mittelpunkt des Universums steht, wollte ich das keinesfalls ausdrücken. Vielmehr sehe ich diese Collage als Anfangspunkt der Reihe und als Interpretation vieler Entstehungsmythen, die eine solchen Anfangspunkt beschreiben. Das Bild beinhaltet auch den Tod, da in den meisten Mythologien mit der Entstehung von Leben auch die Entstehung des Todes einhergeht.

2024 habe ich den Rahmen neugesprüht und die Collage verglast. Der Rahmen war ursprünglich von einem alten Ölgemälde, dass ich in Berlin über Kleinanzeigen gekauft hatte.

Merkur (2022)

Photograph of Merkur by Carmine Jako, framed paper collage, 2022

Inspiration: Soulmusic Partyposter und eine alte Schuhbox

Maße: 55,5×41,5cm

Der Planet, der am nächsten zur Sonne liegt ist Merkur. Das griechische Äquivalent ist Hermes.

Während ich in Friedirchshain gewohnt habe, wurden oft 80er und 70er Soul-Partys beworben. Ein Hauptmotiv war…

die oben abgebildete Person. Da ist zumeist mit Altpapier arbeite, ist es nicht leicht eine gut erhaltene Figur in der Größe zu finden. Da der ursprüngliche Rahmen schwarz war, hatte der Kontrast ausgezeichnet gepasst.

Die Flügel (eingeschlossen, die die den klassischen Helm darstellen) waren am aufwendigsten zu kleben bzw. zu schneiden. Für Hintergrund und Heilgenschein habe ich alte Karten benutzt. Ich habe einen Stapel auf einem berliner Flohmarkt gekauft. Der Grund ist eine alte Schuhbox, die ich gefunden habe. Die Rückseite hat ein grün-gelb-schwarzes Muster, das Reisen thematisiert. So bin ich darauf gekommen es für Merkur zu nutzen. Allerdings hat sich im Entstehungsprozess so viel geändert, dass ich letztlich die einheitlich gelbe Seite bevorzugt habe.

Hermes ist der Götterbote und wird generell als Mann dargestellt. Es war mir aber zu langweilig mich immer an den Gender-Stereotypen zu orientieren. Mein Merkur ist eine Transfrau. Die beiden Schlangen sind gewöhnlich um den Merkur- oder Hermesstab gewickelt. Wer den Gedanken weiterspinnt kommt vielleicht drauf, wo der Stab selbst sitzt.

Ich bin mir sicher, dass die Frau von irgendwoher kenne, aber leider konnte ich nie rausfinden, wer sie ist. Sie erinnert mich an Eartha Kitt. Schreibt mir, wenn ihr es wisst.

Venus (2021)

Photograph of Venus by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Besuch in der Gallerie Lumas und Zeitschriften aus den 80ern

Maße: 53,5x25cm

Venus ist der zweite Planet im Sonnensystem und das griechische Äquivalent ist die Aphrodite.

Diese Collage war eine Einreichung für @gracielamorcillos Projekt Psychobabble101. Wir haben…

zusammen in Berlin stuiedert und uns so kennengelernt.

Ich hatte zum Zeitpunkt der Entstehung vor allem kleinere Collagen gemacht und war frisch aus Pankow nach Friedrichshain gezogen. Meine neuen Hauptmieter haben den Rahmen zurückgelassen. Ich liebe dieses Format, hoch und schmal. Ich nutze selten horizontale Formate, vermutlich, da ich sehr auf Personen fokussiert bin.

Nach einem Besuch im Lumas habe ich in typischer „diy fashon“ gesagt, lass mal selber machen. Nachdem meiner Kommilitonin und Freundin Dew spezifisch Olaf Hajeks Antoinette Tropical gefallen hat, wollte ich etwas Ähnliches kleben. Das Endresultat ist ein vollkommen anderes geworden. Aber so ist das oft mit der Inspiration: Es ist ein Startpunkt, der uns einen Anstoß gibt.

Allein das Format des Rahmens hat das wohl veranlasst. Statt Vögel und Blätter in barocker Mode aufzutürmen, habe ich diese verteilt. Ich habe die Blätter auf grünem, grauem und schwarzem Papier gestempelt. Das Charmeleon ist mir enfach dazwischengerutscht. Später habe ich entschieden, dass eine ganze Masse oberhalb im Bild einen zu monotonen Touch hätte. Das Endresultat hat mehr Tiefe.

Die Figur ist aus einer Zeitschrift aus den 80ern, was den Style und die Frisur erklärt. Ich mochte den Gedanken, dass das Gesicht hier in Dunkelheit liegt, und was wir als Liebe verstehen in unseren Köpfen passiert. Ich ärgere mich lediglich, dass ich auf den blonden, weißen Stereotyp der Aphrodite zurückgefallen bin. Da ich aber mit Altpapier arbeite, habe ich aufgrund der Größen leider oft wenig diverse Optionen, selbst während meiner Zeit in Berlin.

Gaia (2019)

Photograph of Gaia by Carmine Jako, framed paper collage, 2019

Inspiration: Workshop im Haus für Poesie zum Thema Collagen

Maße: 31,5×41,5cm

Die Erde ist der dritte Planet in unserem Sonnensystem und in römischer sowie griechischer Mythologe von Gaia vertreten.

Eigentlich ist die Dimension viel zu klein um diese monumentale Titanen darzustellen. Aber ich hatte hier gerade…

erst wieder angefangen mich mit Collagenkunst zu beschäftigen und größere Projekte wie Jupiter oder Big Bang waren nicht geplant. Diese Collage ist 2019 an einem Nachmittag im Haus für Poesie bei einem Workshop mit Carsten Schneider und Karla Montasser entstanden. Daher unterschiedet sich diese auch von meinen späteren Werken und ist ausschließlich mit Zeitungspapier geklebt. Die Hauptinspiration war offensichtlich der Klimawandel und ist ein Thema, dass mich weiter sehr beschäftigt.

Beide Künstler haben großartige Inspiration und Tipps gegeben. Klara Montasser ist Lyrikerin und fester Teil des Teams vom Haus für Poesie. Carsten Schneider macht nicht nur grafische Collagen, sondern auch Ton-Collagen, was ich sehr faszinierend finde. Es hat mir wiedermal nahegelegt, dass die verschiedenen Kunstrichtungen eben doch immer miteinander verwandt sind. Da ich selbst Poetin bin, gehe ich diese eigentlich unterschiedlich an. Hier habe ich gelernt, dass dem nicht so sein muss.

Ich habe schon darüber nachgedacht eine neue Gaia zu fertigen, da es jedoch genug Schöpfer- und Fruchtbarkeitsgottheiten gibt (unter anderem Ceres und Haumea, die ich Stand 2024 auf meinem Plan habe), denke ich, dass ich es dabei belasse.

Mars (2021)

Photograph of Mars by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Körperlose Darstellung einer Gottheit und Beginn des Ukrainekriegs

Maße: 31,5x41cm

Mars ist der vierte Planet im Sonnensystem und das griechische Äquivalent ist Ares. Mars ist auch der Gott des Krieges.

Ich hatte zunächst einen quadratischen, goldenen Rahmen. Nachdem ich das Oval allerdings…

auf einem Flohmarkt in Charlottenburg gefunden habe, habe ich diese noch einmal umgebaut. Das vorherige Design ist in meinen Insta-Stories zu sehen. Es kommt des Öfteren vor, dass ich in mehreren solcher Schritte arbeite. Manchmal muss ein Werk eine Weile liegen bleiben, bis ich weiß, was mich stört.

Die Schaffung ging mit zwei Dingen einher: Einmal den Beginn des Ukrainekriegs in 2021. Meine Werke sind Augenscheinich nicht sehr politisch, das bedeutet allerdings nicht, dass ich aus weltpolitischen Geschehnissen bzw. meinen Reaktionen daraus keine Inspiration ziehe (so grausam diese zumeist auch sind).

Zudem hatte ich mir vorgenommen, den Hauptkörper, also was primär den Gott selbst darstellt, gegenstandslos darzustellen. Das hat sich dann in den Rändern einer gefundenen Zeitschrift ausgedrückt. Grade durch die harten Kanten und den Kontrast mit der ovalen Form entsteht hier Spannung.

Es ist auch der Planet unter dem mein Sternzeichen, Widder, steht. Daher hat mich das hier mehr inspiriert, als in anderen Werken. Im englischen ist Aries das Wort für das Sternzeichen Widder. Ares und Aries haben aber offenbar nicht denselben Wortursprung, wie ich zu dem Zeitpunkt dachte. Sondern ist Aries das lateinische Wort für Lamm. Trotzdem finde ich die Hörner passend. Diese habe ich aus dickem Goldpapier geschnitten.

Ceres (2021)

Photograph of Ceres by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Ein alter Holzramen und ein großartiges Buchcover

Maße: 54x44cm

Ceres ist ein Zwergplanet im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

Das griechische Äquivalent ist Demeter, die Göttin der Natur. Allerdings gibt es auch den Asteroiden Demeter (1108), den ich vielleicht ein andermal darstellen möchte.

Den Rahmen habe ich wie so oft in Berlin gefunden und zwar in den Straßen um den Boxhagenerplatz herum. Dort habe ich zudem Zeitpunkt auch gewohnt. Die Idee war passend: Ein Rahmen im Rahmen für den ich ein simples Passepartout benutzt habe. Auch die Sterne sind aus mehreren rechten Winkeln gebaut. Eigentlich scheint das vielleicht ein bisschen zu gradlinig für ein Thema wie eine Naturgöttin. Vielleicht ist das der Grund, aus dem ich gerne weitere Naturgötter kleben möchte.

Genau wie Persephone und Europa ist die Collage aus dem Wunsch heraus entstanden weitere Göttingen zu schaffen, da die meisten Planeten in unserem Sonnensysstem nach traditionell männlichen Göttern benannt wurden.

Ich weiß, dass die zentrale Figur hier von einem deutschen Buchcover kam, hatte bisher aber noch kein Glück herauszufinden, welches genau.

Persephone (2022)

Photograph of Persephone by Carmine Jako, framed paper collage, 2022

Inspiration: Bandposter S Warschauer Straße und Programm des Maxim Gorki Theaters

Maße: 53,5x25cm

Persephone ist nun ausnahmsweise der griechische Name und das römische Äquivalent ist Proserpina.

Es ist einer von mehreren Asteroiden, die ich noch kleben möchte. Auch dieser Asteroid (399) ist im Gürtel zwischen Mars und Jupiter gelegen.

Der Einfügungsmythos von Persephone in die Unterwelt ist oft dargestellt. Persephone verbringt einen Teil des Jahres in der Unterwelt, da Pluto bzw. Hades sie dorthin entführt und zu seiner Frau gemacht. Ihre Mutter Demeter ist darüber so traurig, dass die Gefühlswelt der Naturgöttin den Wechsel der Jahreszeiten auslöst. Grade für eine feministische Interpretation ist der Mythos interessant, da er den Archetypen des Raubs der (Jung-)Frau und der tiefen Verbindung zur Mutter sieht.

Da es sich sowohl um die Herren der Unterwelt, als auch um die Tochter der Naturgöttin handelt, habe ich versucht beides darzustellen und mich auf den Übergang von einem ins andere konzentriert.

Viele der Inhalte habe ich in Berlin gesammelt. Ein guter Teil stammt von einem Bandposter das ich nahe der S-Bahnstation Warschauer Straße gefunden habe. Die zentrale Figur, auf deren inneren Unterlippe das Wort „Obay“ eintätowiert ist, war im Theater-Programm des Maxim Gorki Theaters.

Dionysos (2022)

Photograph of Dionysos by Carmine Jako, framed paper collage, 2022

Inspiration: Zeitschriftcover mit Riccardo Simonetti und Song The Cult of Dionysos

Maße: 32x23cm

Ein weiterer Asteroid im großen Asteroidengürtel gelegen ist Dionysus (3671), benannt nach dem griechischen Gott des Weines. Das römische Gegenstück ist Bacchus.

Hier wurde ich von dem Lied The Cult of Dionysos von The Orion Experience inspiriert. Als ich ein Magazin-Cover mit…

dem Moderator und Influenzier Riccardo Simonetti gesehen habe, hatte ich meinen Dionysus dann endlich gefunden. Die zentralen Figuren in meinen Collagen sind mir sehr wichtig und in der Regel bemühe ich mich, jemanden zu wählen, der weniger bekannt ist. Aber vielleicht musste ich in dem Moment einfach an Orion, den Sänger von The Orion Experience denken und es hat Click gemacht.

Für die meisten antiken Götter aller Kulturen ist eine so einfache Bezeichnung, wie sie zumeist genutzt wird (z.B. wie hier der Gott des Weines) sehr verallgemeinernd. Dionysus ist einer der jüngeren griechischen Götter, der aus einigen der ältesten Archetypen entstanden ist. Dieses Video von Overly Sarcastic Productions fasst das sehr gut zusammen bzw. zeigt, wie diese Götter immer zu den Veränderungen ihrer Völker unterlegen haben.

Die Marschierenden im Hintergrund sollen die Mänaden darstellen, Frauen die in Festen der Anbetung des Dionysus dem Wein und der Raserei verfallen waren. Bei diesen Festen waren keine Männer erlaubt und so hat sich diese Geschichte in der von Männern geschriebenen Geschichte wohl etwas verselbständigt.

Jupiter (2022)

Photograph of Jupiter by Carmine Jako, framed paper collage, 2022

Inspiration: Gelber Rahmen gefunden im Prenzelberg und Verpackungspapier

Maße: 118x59cm

Jupiter entspricht Zeus im griechischen. Er ist der Göttervater und Anführer der olympischen Götter.

Es ist der fünfte Planet und der Größte in unserem Sonnensystem. Es ist auch der erste, der äußeren Gasplaneten, die sich von den inneren, terrestrischen Planeten unterscheiden.

Das war mein bisher ambitioniertestes Objekt, jedenfalls was Größe angeht. Es ist auch eine der Collagen, die ganz von alleine eine tiefere Bedeutung ausdrücken bzw. eine die mit Gesellschaftskritik zu tun hat. Der Blitzschlag, der hier als bedrückender Einschlag für das Bewusstsein der dargestellten Frauen sorgt, ist in einem Versuch entstanden Bewegung ins Bild zu bringen.

Jupiter/Zeus ist einer der Götter mit den meisten Frauengeschichten. Dabei ist der Gott oftmals Grund für das Leid seiner Partnerinnen. Er stellt außerdem den Vater im Patriarchat (der olympischen Götterfamilie) dar. Obwohl er der jüngste Bruder ist, ist er der direkte Nachfolger seines Vaters Saturn, den er für den Thron bezwingen musste.

Ich wollte mit der Collage darstellen wie ein patriarchalisches System und das daraus resultierende Denken im Endeffekt viele Frauen dazu bringt sich selbst kleinzuhalten und zu fügen. Direkte Gewalt ist nicht immer nötig. Und es braucht Zeit und Mühe sich von diesem binären schwarz-weiß Gedanken von Dominanz und Unterdrückung abzuwenden.

Ich habe hier zum ersten Mal bemerkt welche Möglichkeiten große Formate meinen Collagen ermöglichen und, dass die Texturen bei wachsender Größe immer wichtiger werden (im Gegensatz zu kleinen Formaten und spezifischen Motiven). Das schwarze und weiße Krepppapier, dass ich von diversen Einkäufen als Verpackungspapier gesammelt hatte, war perfekt um diesen schwarz-weiß Kontrast zu erzeugen.

Den Rahmen hat eine Freundin im Prenzelberg gefunden und ich wusste sofort, dass ich etwas Besonderes mit diesem anstellen wollte. Das Gelb hat mich an Zeus‘ Blitze erinnert. Da es sich hier um den größten Planeten des Sonnensystems handelt, macht es Sinn, dass es die bisher größte der Collagen ist. Ich habe das Gelb mit den Braun-Orange und Weißtönen des Gasplaneten kombiniert Die erhabene Textur der Blitze ist vermutlich das nächste, was mich in dieser Reihe an plastischen bzw. erhabenen Elementen interessiert.

Europa (2022)

Photograph of Europa by Carmine Jako, framed paper collage, 2022

Inspiration: Goldsterne und eine sanftäugige Kuh

Maße: 36x25cm

Diese Collage stellt einen Mond des Jupiter dar und im Grunde eine Fortsetzung von Jupiter (2022). Für mich gehören die beiden zusammen. Aber die Werke funktionieren auch unabhängig voneinander.

Europa gehört zu den größten Monden des Jupiter. Die Zahl der Jupitermonde geht gegen…

hundert. Damit ist es der Planet mit den meisten Monden in unserem Sonnensystem. Ich habe schon länger darüber nachgedacht weitere Monde wie Io und Calypso zu kleben. Aber bisher habe keine Eile. Es kommt wohl darauf an, wie lange ich Jupiter noch behalten werde und in wieweit die Inspiration geht eine große Installation aus mehreren Collagen zu machen.

Im Mythos ist Europa Jupiters Geliebte. Er verwandelt sie in eine Kuh, um ihre Existenz vor seiner Frau Hera zu verbergen. Der Erdteil zu dem er sie entführt, wird schlicht nach der Prinzessin benannt. Daher die goldenen Sterne auf blauem Grund.

Saturn (2023)

Photograph of Saturn by Carmine Jako, framed paper collage, 2023

Inspiration: Kapuzinakresse und die Ringe des Saturn

Maße: 55,7×45,7cm

Saturn ist der Gott der Aussaat und der sechste Planet unseres Sonnensystems. Das römische Äquivalent ist Kronos.

Wie vermutlich jeder europäische Kunststudent habe ich mich mit Goyas Saturn verschlingt seine Kinder (1819–1823) auseinandergesetzt. Die bekannte Verbildlichung…

des Mythos war eine große Inspiration. Saturn ist Vater oder Großvater aller meisten Olympischen Götter und in seinem Mythos frisst er alle deine Kinder wegen einer Prophezeiung, die ihm vorhersagt, dass eines dieser ihn bezwingen wird. Dabei handelt es sich letztlich um Jupiter. Jupiter, Saturn und Uranos bilden eine direkte patriarchalische Linie, wobei Saturn und Jupiter aber jüngsten der Söhne sind, die ihren Vater jeweils bezwingen konnten. Ich wollte mich hier mehr auf den Verlust der Mutter beziehen, der über den Wahnsinn und die Angst des Vaters in Darstellungen des Mythos oftmals vergessen wird.

Der Rahmen war Teil einer diy Korkwand, die jemand in meinem damaligen Hausflur zum Mitnehmen hat stehen lassen. Nach ein bisschen Öl und Lack war er perfekt für den Naturgott. Die Kapuzinerkresse hatte ich lange aufgehoben, ohne zu wissen für welche Collage sie dienen soll. Am Ende hat sie als Ring des Saturn bzw. Blumenkranz um den Kopf der zentralen Figur ihren Platz gefunden.

Das Nutzen der Christusfigur hat für mich keine tiefere Bedeutung. Ich habe lediglich ein Kind gebraucht, das aussah, als würde es sich gut essen lassen bzw. einen jungen Jupiter darstellt. Da dieses hier von der Mutter umarmt wird und farblich gepasst hat, erschienes es mir perfekt.

Uranus (2022)

Photograph of Uranus by Carmine Jako, framed paper collage, 2022

Inspiration: Lady Gagas Venus und die Herrausforderung einen unendlichen Himmel darzustellen

Maße: 52,7×42,5cm

Uranos ist der Gott des Himmels und hat im Römischen, sowie im Griechischen denselben Namen. Es ist der siebte Planet in unserem Sonnensystem und der einzige mit einem Ringsystem aus Asteroiden.

Uranos, der Himmel, ist das Gegenstück zu Gaia, der Erde. Auch der Mythos…

in dem die beiden Mutter und Vater der verschiedenen göttlichen und schrecklichen Kreaturen sind, ist sehr von Gewalt geprägt. Uranus vergewaltigt Gaia und zwingt viele ihrer gemeinsamen Kinder immerzu in deren Leib zurück.

Einer der Mythen um Venus ist, das das abgeschnittene Glied des Gottes ins Meer fällt und sich aus Seeschaum und Samen die Göttin der Liebe bildet. Zum Beispiel stellt Botticellis bekannte Geburt der Venus diese Szene dar. Sicher habe ich auch deshalb mehrere Frauen in das aufstrebende Bild eingearbeitet, die die Venus darstellen können.

Eigentlich der Song Venus von Lady Gaga Grund für den gezeigten Scherz hier: Da sich das englische „Uranus“ umgangssprachlich auch als „dein Anus“ übersetzen lässt. Lady Gaga ist daher auch im Bild vorhanden. Man kann sich kaum meine Freude vorstellen, als ich dieses Foto gefunden habe. Hier macht sie die Geste, die im italienischen „Arschloch“ bedeutet. Daher habe ich es gespiegelt und zweifach genutzt.

Den Gott des unendlichen Himmels in 2D zu kleben war eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen wollte. Mit den Säulen oben und unten am Bildrand war ich letztlich zufrieden. Der Gott des Himmels lässt sich eben gut mit den Planeten verbinden. Im Gegensatz zu Erdgöttern wie Demeter und Saturn oder Abstrakten Konzepten wie Venus lässt sich das Weltall leicht aufgreifen.

Der goldene Rahmen schien etwas angeschlagen, als ich ihn ausgesucht habe. Aber am Ende wirkt die helle Maserung, die sich mit der Zeit auf dem Gold abgesetzt hat, wie Sterne. Daher habe ich diesen nicht überarbeitet.

Neptun (2021)

Photograph of Neptun by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Ein Abschiedsplakat für Neuseeland und meine alten Wunderwelt Wissen Hefte

Maße: 42x32cm

Neptun ist der achte Planet und der äußerste unserer Planeten (die sich von Zwergplaneten durch ihre Umlaufbahn um die Sonne unterscheiden). Im griechischen ist der Name des Meeresgottes Poseidon.

Da Blau als dominante Farbe natürlich naheliegend für Wasser und Meer…

war, wollte ich ein sich abgesetztes Orange-rot einfügen. Das richtige Papier zu finden ist mir leicht gefallen, da ich noch ein altes Plakat hatte, das mir Freunde 2012 geschenkt hatten. Damals hat mir dieses eine gute Reise für mein Auslandsjahr in Neuseeland gewünscht. Man sieht das natürlich nicht, aber die Reise zu dem Inselland hat auch thematisch gepasst. Ich mag es gerne, diese Art andenken einzuarbeiten und damit zu bewahren. Man kann leider nicht alles aufheben, aber aus vielem etwas Schönes schaffen.

Neptun ist nicht eine der beiden Menschen im Mittelpunkt, sondern der Kraken. Das Pärchen, das sich scheinbar vor dem Gott wappnet stammt aus einem Programm des Maxim Gorki Theaters. Diese sind für mich an Heldenfiguren wie Odysseus oder Iason angelehnt.

Der Kraken wird vor allem durch eine alte Holzmaske definiert, die aus der römischen Antike stammen könnte. Auge und Brauen waren wiederum Teil eines großartigen Monstertatoos, dessen Nasenrücken den Mittelpunkt dieser Komposition bildet. Das Resultat erinnert mich auch an einen Einsiedlerkrebs. Ich wollte, dass sich Meer und Gestalt hier so eng verbinden, dass nicht immer gleich auffällt wird, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Daher habe ich für die Tentakel zusätzlich Abbildungen des Meeres genutzt. Aus alten Wunderwelt Wissen Heften, die ich als Teenager gerne gelesen hatte, hatte ich einige Meeresdarstellungen.

Pluto (2021)

Photograph of Pluto by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Hades als beides Person und Unterwelt räumlich darzustellen

Maße: 60x43cm

Pluto war lange Zeit der neunte Planet des Sonnensystems wurde aber 2006 zum Zwergplaneten degradiert.

Es war eine sehr aufwändige und komplizierte Arbeit, für die ich viele Kleinteile verwendet habe. Pluto…

ist der Herr der Unterwelt und entspricht im griechischen Hades. Hier ist der Name der Unterwelt selbst ebenfalls „der Hades“, daher war ich für diese Collage inspiriert Person und Ort als ein und dasselbe darzustellen. Die überschattende zentrale Figur besteht zum großen Teil aus einem Stadtplan, der hellblau auf Dunkelbau gedruckt wurde. Ich hatte sechs der acht Augen von einem sehr mitgenommenen Bandplakat, dazu habe ich vier weitere gemalt. Auch einige Linien habe ich mit schwarzer Tusche und Stiften ergänzt, um den düsteren Ton zu treffen.

Der Mantel der Figur soll den Fluss Styx darstellen, in dem die Seelen der Toten schwimmen. Es ist das verbleibende Meer, das ich auch für Neptun genutzt hatte. Das Totenbuch am unteren Rand kann sich auf den Gedanken einer Liste beziehen, die sich der Schnitter nach und nach holt. Die Handschuhe im Hintergrund haben in mir die Assoziation der vielen Schuhe und alltäglichen Gebrauchsgegenstände erweckt, die man von Aufnahmen und Besuchen in Konzentrationslagern kennt.

Die untere, rechte Ecke geht auf den Raub der Persephone ein. Obwohl beide Arbeiten den Raum der Persephone aufgreifen gehören Persephone (2022) und Pluto (2021) nicht zwingend zusammen. Ich schließe nicht aus, dass ich das Pärchen in Zukunft möglicherweise als glückliche darstellen werde. Allerdings habe ich mich in diesen Bildern mehr auf den Raub der Persephone und die negativen Konnotationen darin bezogen.

Cosmicandy (2021)

Photograph of Cosmicandy by Carmine Jako, framed paper collage, 2021

Inspiration: Cosmicandy Cover von The Orion Experience

Maße: 43x34cm

Genau wie Dionysos war auch Cosmicandy von der Band The Orion Experience inspiriert. Nur habe ich hier das gleichnamige Albumcover adaptieren wollen.

Im Vordergrund ist eine stilisierte Szene von einem Dionysoscult und daher sind…

Cosmicandy und Dionysos eng miteinander verbunden. Während mich die zentrale Figur von Dionysus an den Sänger Orion erinnert, ist die Frau, die im Mond sitzt und raucht an Linda XO angelehnt, die Liedsängerin der Band.

Thema und Darstellung entspringen ebenfalls dem Titel des Covers und sind durch die Lieder inspiriert. Die einzelnen Elemente sollen Planeten und Süßigkeiten darstellen, manchmal beides. Ursprünglich waren die beiden blauen Sternenbonbons als Ohrringe gedacht, aber das hat mir später nicht mehr gefallen.

Die Haare der Figur sind aus mehreren Lagen geklebt und sollten möglichst verschlungen sein. Die Pappe im Vordergrund war die ursprüngliche Inspiration und hat ein wunderschönes Druckmuster, dessen Reste ich auch für Persephone genutzt gabe. Die lila Schachtel hat zu einem teuren Tropfen gehört, die Kolleg*innen aus meinem damaligen Büro zurückgelassen haben. Ich finde die Symmetrie darauf ist in der Lage die unruhige Komposition zu vereinen.

Fotos von incardadeseyen

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